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Gedanken über die "moderne" Haflingerzucht |
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Offensichtlich fängt das Problem schon bei der Interpretation des Begriffes "moderne Haflinger" an, jedenfalls gibt es bereits unterschiedliche Auffassungen, wie so ein Haflinger auszusehen oder zu sein hat! Von der Wortherkunft her kennzeichnet die Moderne einen Umbruch, etwas Neues. Davon ableiten läst sich das Wort "Mode", etwas Schnelllebiges aber auch Vergängliches! Ich glaube, dass wir weder das Eine noch das Andere in der Haflingerzucht brauchen. Davon unbenommen ist, dass sich im laufe von Jahren Faktoren und Rahmenbedingungen ändern, die sich auch eine Pferdezucht anpassen muss, wenn sie nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwinden will. Notwendige und optisch gut sichtbare Veränderungen sind beim Haflinger die Anhebung des Stockmaßes, die Erweiterung des Rahmens und die generelle Verbesserung der Merkmale, die einer freizeitsportlichen Verwendung entgegen kommen. Dabei sollen unbedingt erhalten bleiben: Die rasseprägende Fuchsfarbe (und zwar in allen Farbnuancen) mit dem typischen blonden Langhaar, das ausgeglichene Temperament und unkomplizierte Wesen, seine Leistungsbereitschaft, der edle Kopf mit ausdrucksvollen Augen, .......! Erklärtes Ziel aller Zuchtverbände ist das genügsame, unkomplizierte Allround-Pferd für alle freizeitsportlichen Verwendungsmöglichkeiten für Jung und Alt. Eigentlich die Eier legende Woll-Milch-Sau! Das ist schon anspruchsvoll genug und es wäre ein Fehler die Rasse aufzuspalten und zu versuchen, bereits durch andere Rassen besetzte Nischen zusätzlich zu "erobern" (wie z.B. Kaltblutrassen als "Gewichtsträger", Warmblut für den Leistungssport oder das Reitpony)! Auch den Galopper des Jahres muss der Haflinger nicht stellen. Übrigens alle Reiter, egal welcher Rasse, sind zu 98 % nichts anderes als Freizeitreiter. Das heißt nicht, dass es nicht immer schon wirklich gute Haflinger-Sportpferde gegeben hat und erfreulicherweise immer mehr gibt. So hat nicht Hannes Weitlander im Fahrsport 2011 erstmalig eine WM-Medaille mit Haflingern gewonnen. Das Image des Haflingers als Turnierpferd ist bekanntlich "leicht angeknackst". Wenn man ehrlich ist, nicht unbegründet, sieht man doch viele unwillige, schlecht gerittene Pferde mit wenig ausgebildeten Reitern! Da der Haflinger leicht zu identifizieren ist, erfolgt schnell eine Pauschalverurteilung. Von nichts kommt aber auch nichts! Erfreulicherweise ändert sich langsam das Bild, dank ambitionierter Reiter mit gut gerittenen, qualitätsvollen Pferden. Leider bedenklich ist der Rückgang bei den ambitionierten, erfolgreichen Fahrern - ursprünglich eine Domäne des Haflingers im Leistungssport! Das Vorurteil, Richter wären prinzipiell gegenüber Haflingerreitern negativ voreingenommen, kann ich nicht bestätigen. 90 % Derer, die eine unfaire Richterleistung bemängeln, sollten sich zuerst einmal an die eigene Nase packen, die restlichen 10 % haben Grund zur Klage. Speziell in der Haflingerrasse kann man beobachten, dass sich Züchter und Nutzer in zwei Parallelwelten befinden. Viele Züchter haben offensichtlich über das Studieren von dem Pedigree hinaus vergessen (Weltsieger X Weltreservesieger = TOP), für welche Verwendung das Pferd überhaupt gezüchtet wird. Das optisch "schöne" Standmodell scheint bereits Zuchtziel genug zu sein. Leistungsvermögen, Leistungsbereitschaft und Charakter scheinen - wenn überhaupt - nur zweitrangig zu sein. Das entspricht nicht meiner Vorstellung von einem "modernen Haflinger". Es "irritiert" mich, wenn so genannte Züchter ehrlich einräumen, dass ihnen die Bewegungsqualität bei einigen "hochgejubelten tiroler Vererbern abgehen", dennoch diese in der Zucht aufgrund einer besseren Verkaufbarkeit der Nachkommen vorziehen!???? Ich glaube kaum, dass man damit der Zucht einen Gefallen tut und die Rasse verbessert. Bevor mir jetzt unterstellt wird, ich wollte auf dem Nachbarland rum hacken - leider ist diese Tendenz auch in D festzustellen und die bereits auf breiter Basis gewonnene Verbesserung der Bewegungsqualität sind wir dabei wieder zu verlieren! Hoffentlich treten die "Endverbraucher" den "Züchtern" rechtzeitig in den Hintern und machen ihren Bedarf deutlich. Ich verbinde Modernität nicht nur mit der absoluten Größe, Hochbeinigkeit, optischen Reitpferdepoints, längere Halsung, ..........., sondern auch mit Rittigkeit (Fahrbarkeit), Leistungsbereitschaft, Umgänglichkeit, qualitätsvolle Grundgangarten, ............, verbunden mit dem rassetypischen Charme! Fressen und Schei.... tun sie alle das Gleiche, das zu finanzieren kann aber mehr oder minder Spaß machen! Dagmar Westhoven |
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